Erfahrungsbericht zur Fachtagung Inklusive Wohnformen in  Regensburg

Die Fachtagung „Inklusive Wohnformen“ für Menschen aus dem autistischen Spektrum an der OTH Regensburg versprach viel Input für die zukünftigen Projekte und Arbeiten im Verein.
Deshalb wurde ich entsandt, der Veranstaltung beizuwohnen.
Als junge Studentin und Öffentlichkeitsbeauftragte von AWL e.V. wagte ich die Reise in das gut 350 km entfernte Regensburg. Eine siebenstündige Fahrt mit sämtlichen Irreführungen der Deutschen Bahn stimmte mich auf eine interessante und informative Tagung, die im September 2014 stattfand, ein.

Sehr interessant war der Vergleich der Wiedereingliederung in Norwegen durch den Referenten
Dr. Jan Tøssebro, Norwegian University of Science and Technology.
Die Aussage, dass „Institutionen für geistig Behinderte“ Leute nur noch behinderter machen würden, stimmte mich sehr nachdenklich. Ein Ort des Lernens sei in solchen Einrichtungen nicht vorhanden, es würden Dauerpatienten „produziert“. Letztendlich müssten die Bewohner solcher Einrichtungen mehr gefördert werden.
Dies war der entscheidende Punkt, wo Norwegens Regierung die Deinstitutionalisierung forcierte und gleichzeitig die Gemeindearbeit um ein Wesentliches ausbaute. Dies geschah ab 1960 bis ca. 1990. Seit den 90ern sei laut Tøssebro das Interesse allerdings an diesem Thema gesunken und die einst hohen Standards von 3-4 Bewohnern pro Wohneinheit retardierten auf im Schnitt 8 Bewohner pro Wohneinheit.
Der Gedanke, Geld zu sparen, ist auch in Norwegen angekommen.

Auch sehr informativ war der Vortrag über Architektonische Besonderheiten in der Gestaltung von Wohneinrichtungen für Menschen mit Autismus, die Frau Kim Steele, Consultant with Environmental Design Research + Consulting, USA, vorstellte.
Jeder Wohnraum sollte ein eigenes Bad haben, zudem seien Übergangsbereiche zum Sitzen ideal, da so sich der Betroffene zurückziehen kann, aber noch alles um sich herum mitbekommt.
Auch eine freie Gestaltung der in der Wohngruppe vorgegebenen räumlichen Strukturen würde die Flexibilität fördern, da verschiedene Wege zum Erreichen eines Raumes möglich seien.
Wichtig sei zudem die Verwendung von abgerundeten Ecken, da so das Risiko von Verletzungen durch selbstverletzendes Verhalten gemindert wird.

Auch diverse andere Fachvorträge wurden in den beiden Tagen geboten, u.a. von

  • Herrn Matthias Dahlferth (Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg)
  • Prof. Lennart Jönsson und Linn Wänerstam (CEO and Manager of "Misa AB", Schweden)
  • Patti Scott (B.A., CEO von "Neighbors Inc.", USA)
  • Drs. Peter Nouwens (CEO der Stiftung PRISMA, Niederlande)
  • Dr. Heidrun Metzler (Eberhard Karls Universität Tübingen)
  • Rupert Vinatzer (Dipl.-Sozialpäd. im Dominikus-Ringeisen-Werk, Einrichtungen für Menschen mit Behinderung)
  • Prof. Dr. Georg Theunissen (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)
  • Stefan Müller-Teusler (Dipl.-Sozialpäd. und MBA Sozialmanagement, Universität Lüneburg)

Nähere Informationen zu den Fachvorträgen finden Sie unter folgendem Link:
https://www.oth-regensburg.de/weiterbildung/fachtagungen/internationale-fachtagung-inklusives-wohnen.html

 

Schlussendlich blieben mir zwei Zitate im Nachklang:
„Verstehen, was unverständlich ist, lernen, was zu begreifen ist.“

„Wer Inklusion will, sucht Wege – wer dagegen ist, sucht Begründungen.“

 

Nach dem Besuch der Fachtagung bin ich der Überzeugung, dass alles möglich ist, um den Grundsatz der Inklusion zu befolgen. Es benötigt einfach nur den erforderlichen Willen und die Kraft, sich mit Inklusionsgegnern auseinander zu setzen.


Lisa Hilbert